Ich bin mit unserem Saltydog, einer Oceanis 42.3 von der Insel Ugljan die ganze Adria runter nach Süden gesegelt. Alles was ich gesehen habe, alle Häfen, Inseln und Buchten waren Neuland. In großen Sprüngen ging es ca. 180 Meilen bis nach Dubrovnik und von dort in kleineren Sprüngen gegen den Wind zurück nach Ugljan.

Inspiriert von Enrico der mit seiner Bavaria 42 fast immer allein durch die Adria pflügt und meinem Freund Reiner – der meist an sehr kalten Tagen in der Ostsee Charterschiffe zum Winterlager segelt, bin ich jetzt auch bewusst allein mit meinem Schiff losgesegelt.

In der Vergangenheitwar ich schon ab und an allein draußen. 2016, bei meinem ersten Herbsttörn in der Adria hat sich auf dem Rückweg Schritt für Schritt meine Mannschaft „aufgelöst. Von Pula bis nach Lignano, damals unser Heimathafen, ging es für mich dann allein weiter. Später bin ich von Lignano regelmäßig allein raus um die Abläufe zu üben oder um vor Anker einfach mal draußen zu übernachten. Es hat mich immer beschäftigt, länger mal allein zu segeln. Die folgenden Artikel sind aus meinem Reisetagebuch entstanden.

Kaprije, und meine Rückkehr nach Olive Island

12. Juli, Solta – Ablegen aus der Marina Marchi Heute starte ich gemütlich gegen 09:45 Uhr aus der Marina Marchi. Neben mir liegt ein kroatisches Schiff, und ich hatte ihm Hilfe beim Auslaufen angeboten, [...]

Die Karibik beginnt in Maslinica

10. Juli, Solta, Maslinica: Ein Tag im Paradies Heute verlege ich mein Schiff von der ungeschützten Außenmole in den geschützteren Innenhafen der Marina Marchi. Mit tatkräftiger Unterstützung von Allan und Toni gelingt mir das [...]

Aber warum alleine Segeln?

Segeln ist eigentlich ein Mannschaftssport. In der Regel ist es der Skipper und eine Crew. Wobei der Skipper immer 51% haben sollte und bei Manövern (unter Segeln und Motor) klare Ansagen macht. So das jeder weiß, was seine Aufgabe.. z.B. bei einem Anleger im Hafen. Oder die Crew das Schiff auch mal alleine führt, während der Skipper ein Nickerchen macht. Umgedreht ist eine eingespielte Crew auch für den Skipper was sehr schönes. Die Manöver gelingen und es macht allen Spaß. Diesen Zustand erreiche ich bei Mitseglern die aktiv mitsegeln meist nach 5 Tagen. Die braucht es einfach, bis bei die Handgriffe sitzen.

Meine Mitsegler wollten oft das Segeln einfach mal ausprobieren. Da kam es in 10 Urlaubstagen nur zu kurzen Törns, die sich für mich oft wiederholten. Da ist das Einhand-Segeln der Schlüssel mehr zu segeln und mehr zu entdecken. Was nicht heißt, das jederzeit jemand dazu kommen kann.

Vertrauen ins eigene Manöver

Ich habe schon immer viel darüber nachgedacht, wie man beim Segeln Dinge alleine bewältigen kann.

Wie legt man alleine an? An der Tankstelle längsseits oder der Rückwärtsanleger an die Hafenmauer mit Moorings? Oder wie fängt man alleine eine Boje? Wie alleine die Segel setzen  – bei einem Lazy Bag System – oder sie dann allein reffen oder schnell bergen? Unser Dinghy ist leider so schwer, dass man es mit Spifall allen nur schwer über die Reling bringt.

Für fast alles gibt es Einhand Möglichkeiten. Man muss sich anderes vorbereiten. Die Manöver im Kopf vordenken. Die richtigen Leinen bereit legen etc. Und natürlich hängt alles auch von der Windstärke, dem Wetter und der eigenen mentalen Verfassung ab. Dazu gehören Ruhe, Entschlossenheit im richtigen Moment, das Vertrauen ins eigene Manöver und auch etwas Glück, wenn es mal eng wird.

Boris, ein Kroate den ich auf dieser Reise kennen gelernt habe, sagte dazu Folgendes:

Was ein Mensch im Kopf denken kann, kann er auch schaffen. Sonst könnte er es ja nicht denken.