Ich starte gegen 05:30 Uhr, da die Kühle der frühen Morgenstunden am angenehmsten ist.

Mein Ziel heute sind die Pakleni Inseln, etwa 36 Meilen entfernt, die ich gegen 13:00 Uhr erreichen könnte. Sie liegen unterhalb der Westspitze von Hvar. Ich erinnere mich, dass ich mit Reiner schon einmal in einer großen Bojenbucht war. Mein Plan ist, dort zuerst zu ankern. Wenn das nicht klappt, ziehe ich die Mega-Bojen-Bucht Vinogradice in Betracht. Erinnerungen an diese Bucht sind nicht die besten – teuer, überlaufen und Party-Atmosphäre. Mal sehen, wie es diesmal wird.

Da der Wind gegen mich ist, was bei einer Fahrt nach Norden in der Adria nicht ungewöhnlich ist, muss ich den Motor einsetzen. Der Wind fällt auf etwa 20 Grad, also setze ich die Segel als Unterstützung und erreiche bei 1.200 Umdrehungen immerhin 5 Knoten Fahrt.

Ohne Tankstelle auf dem Weg bin ich froh, dass mir Tom und Christiane in Dubrovnik ihre Kanister geliehen haben. Das gibt mir 40 Liter zusätzlichen Treibstoff. Und überhaupt ist es schön die beiden auch auf dem Weg nach Norden zu wissen. Wir texten ab und zu über Navily.

Die Überfahrt verläuft eher unspektakulär. Als ich mich den Pakleni Inseln nähere, wird es in der Uvala Vinogradice wie auf einem Rummelplatz – Taxiboote, Tenderboote und Motorboote drängen sich. Von den etwa 50 Bojen sind mindestens die Hälfte mit einem großen „R“ versehen, was auf eine Reservierung hinweist. Ein Schlauchboot mit den Bojenbetreibern diskutiert gerade mit einem aufgebrachten Motorbootfahrer. Da ich ignoriert werde, schippere ich entspannt durchs Bojenfeld. Einige nicht reservierte Bojen sind noch frei, sehen aber nicht vertrauenserweckend aus.

Schließlich kommen die Bojen-Jungs zu mir und verkünden, dass die Bucht voll ist. Sie geben mir großzügig ihre Karte und bitten mich, die Bucht zu verlassen. Das Geschäftsmodell hier verlangt eine Reservierung zusätzlich zur Bojengebühr, was mich nicht gerade begeistert.

In den umliegenden Buchten sind ebenfalls alle Ankerplätze belegt. Ich versuche mein Glück bei einer Konoba mit Bojen. Als der Betreiber erfährt, dass ich allein bin, bittet er mich weiterzufahren. So geht es wohl in der Saison in Kroatien 2024.

Meine nächste Option ist Maslinica auf Solta, wo ich einen Platz im Hafen reserviert habe. Ich rufe an, um zu fragen, ob ich früher kommen kann. Sie bieten mir einen Platz an der Außenmole an, was mir sicherer erscheint als weiterzufahren.

Der Wind weht aus West/Südwest, und ich segle bei 14-15 Knoten gut. Da der Wind etwas gegen mich dreht und die Welle gegen mich steht, unterstütze ich das Segeln mit dem Motor, um rechtzeitig dort anzukommen.

Der Nachmittag wird zu einem schönen Segelerlebnis. Ich arbeite mich an Solta heran und begegne auf dem Weg „hunderten“ von Charterbooten, die zur großen Bucht von Vis unterwegs sind. Dort wird es heute Abend sicher sehr voll werden.

Gegen 18:00 Uhr erreiche ich den Hafen von Maslinica. Ich nutze mein Handfunkgerät, da ich über das Bordgerät schlecht verstanden werde. Vor mir wartet noch eine italienische Charteryacht auf die Abfertigung. Ich muss den Skipper darauf hinweisen, dass er möglicherweise noch ein weiteres Boot hinter sich hat.

Ein Schlauchboot kommt auf mich zu. Der Mariniero ist erstaunt, dass ich allein bin. Er fragt nach meiner Erfahrung und ob das mein Boot ist. Er entscheidet sich, mir sicherheitshalber einen zweiten Mann, Allan, zur Seite zu stellen, um mir bei den Mooringleinen zu helfen.

Ich bin beeindruckt, aber auch etwas verunsichert. Warum so ein Aufwand? Im Innenhafen hätte ich den Wind von hinten und keine schwierigen Manöver. Doch bald verstehe ich: Sie wollen mich wirklich an die Außenmole legen – ungeschützt vor Wind und Schwell.

Beim Rückwärts anlegen an der Aussenmole habe ich Wind und Welle auf dem Bug. Es muss schnell gehen. Ich fahre den Anleger, drehe möglichst spät ein, und mit der Hilfe von Allan, der die Mooringleinen klar macht, gelingt es mir, rechtzeitig einzudampfen, bevor ich längs an der Mole klebe.

Sobald ich fest bin, tauchen Christiane und Tom auf. Sie sind seit gestern hier und haben sich beim Hafen für mich eingesetzt. Hofften sie könnten mir einen Platz im Innenhafen besorgen. Aber es war einfach zu voll hier.

Wir stoßen mit einem Bier an, genießen ein Bad am Marina-Strand und essen später gemeinsam. Ich freue mich, nicht mehr allein zu sein und dass ich sicher hier angekommen bin.