1. Juli, Von Vista Luka nach Vela Luka

Um 06:00 Uhr verlasse ich die Boje in Vista Luka, mit dem Ziel, nach Korčula zu segeln. Die Westseite der Insel bietet eine große Bucht, die Marina Korkyra und den Ort Vela Luka. Ich brauche dringend einen Landgang, Menschen und eine Gelegenheit zur Erholung. Zudem sind für die nächsten zwei Tage Gewitter, Sturm und Regen angesagt – da ist es besser, im sicheren Hafen zu sein. Die Strecke nach Vela Luka beträgt nur 25 Meilen, also etwa 4-5 Stunden Fahrt.

Lass den André lieber nicht allein

Beim Ablegen stelle ich fest, dass sich meine Sicherheitsleine (die ich unter der Boje eingebunden hatte) über Nacht verwurschtelt hat. Also muss ich ins Wasser, um sie zu befreien. Nachdem ich das erledigt habe, gehe ich zurück an Bord, dusche und lege die andere Leine ab.

Kurz nachdem ich losgefahren bin, trifft mich der Schreck: Ich habe die Bojenleine nicht aus dem Wasser geholt, sie hängt noch an der Backbord-Bugklampe. Ich kupple aus und ziehe die Leine heraus. So ein Anfängerfehler! Ich ärgere mich darüber, und fast hätte ich die nächste Leine in die Schraube bekommen. Die Leine ist so lang wie das Schiff – da hat mich Rasmus vor dem Schlimmsten bewahrt.

Gegen 11:00 Uhr komme ich schließlich in Vela Luka an. Mile, der kroatische Marinero der Marina Korkyra , hilft mir bei der Ankunft, trotz eines Seitenwinds von 14 Knoten. Ich bin da, das Boot liegt sicher – alles ist gut.

Von verlorenen Tankdeckeln, unerwarteten Begegnungen und ein heißer Strandtag

Ich wasche das Boot etwas ab, will gleich noch Wasser auffüllen und lege dabei den Deckel vom Wassertank unsanft aufs Deck. Dabei reißt die Sicherungskette ab, und der Deckel fällt ins Wasser. So ein Mist!

Alex, eine junge Engländerin von einem Katamaran neben mir, beobachtet das und bietet sofort ihre Hilfe an. Sie meint, ihr Crewmitglied Charlie sei ein guter Taucher. Ich versuche es zuerst selbst, aber bei 4,40 Metern Tiefe habe ich keine Chance.

Ich hole Charlie. Die Engländer stehen kurz vor dem Auslaufen, warten aber, bis Charlie mir hilft. Er schaut kurz nach, wo der Deckel liegt, springt mit seinen Flossen ins Wasser und holt mir das Teil heraus. Da habe ich wirklich Glück gehabt. Ich hatte den Tank provisorisch mit Duct Tape zugeklebt und kann mich nicht mal richtig bedanken, da die beiden Katamarane bald loswollen.

Solche kleinen, unerwarteten Begegnungen sind es, über die man sich unterwegs besonders freut.

Thomas und Britta legen an

Später versucht ein kleines Segelboot, in die Ecke hinter mir reinzukommen. Der Skipper scheint die Geheimnisse des Rückwärtsanlegens noch nicht ganz ergründet zu haben. Er dreht das Schiff erst kurz vorm Liegeplatz in der Gasse. Mal hängt er fast in meiner Mooring, mal kracht er mit seinem Anker an die Hafenmauer. Aber er kommt nicht rum. Als er fast richtig liegt, aber nicht rückwärts kommt, ziehe ich ihn an einer Leine rein.

Das Boot gehört Thomas und Britta, die wir später näher kennenlernen. Sie lieben die Gegend um Korčula, kennen Vela Luka gut und haben eine Lieblingsbucht hier, die sie auch von Plastikmüll befreien. Ihr Boot ist neu. Bei der Überführung nach Kroatien wurde es von der Spedition wohl falsch gelagert und ist dabei richtig beschädigt worden. Die beiden haben den Rest ihres Urlaubs damit verbracht, es reparieren zu lassen. Jetzt ist das Boot zwar heil, aber ihr Urlaub ist vorbei. Morgen wird es aus dem Wasser genommen.

Ich treffe auch Iwan, einen jungen Berufsskipper, der mit einer 38er Elan ein paar Leute um die Inseln fährt. Auf seinem Boot gibt es Klimaanlage – da bin ich ein bisschen neidisch.

Es ist so heiß in Korčula, dass ich heute nur kurz in den Ort gehe und mich lieber noch einmal an den Strand zwischen Marina und Werft zurückziehe.

02.Juli – Hafentag in Vela Luka: Regen, Erholung und ein Abend mit Thomas und Britta

Heute ist ein Hafentag. Es blitzt und donnert, regnet, und der Wind sorgt dafür, dass es nicht so heiß ist wie an den vergangenen Tagen. Das Wetter ist jedoch besser als ursprünglich befürchtet.

Ich schlendere durch den Ort, genieße die freie Zeit und erkunde die Umgebung. Vela Luka scheint mir bei Seglern und Touristen gleicher massen beliebt zu sein. Die Geschichte der Stadt reicht bis in die prähistorische Zeit zurück und bei weniger Hitze hätte ich gern mal die Vela Spila, eine Höhle aus der Altsteinzeit besucht. Es ist trotz Hochsaison ziemlich relaxt hier.

Am Abend gehe ich mit Thomas und Britta in ein nettes Restaurant, das für riesige Fleischportionen und witzige Kellner bekannt ist. Es ist ein schöner Abschluss eines entspannten Tages.