Heute geht es wieder raus. Da ich bei der Ankunft als erstes Schiff in die „letzte“ Ecke gelegt wurde, habe ich eine schwierige Ausgangsposition. Große Schiffe liegen nun links von mir, und ich muss sie beim Ablegen umgehen. Also beschließe ich, etwas zu warten, bis die Schweizer neben mir ablegen. Gegen 1045 ist es dann endlich so weit.
Ich fahre noch zur Tankstelle und hoffe, dass eine der beiden Yachten, die dort liegen, bald ablegt. Leider bewegt sich da nichts. Ich verliere die Geduld und beschließe, dass ich spätestens in Dubrovnik tanken werde – ich habe noch mindestens 160 Liter an Bord.
Meine nächste Station auf dem Weg nach Dubrovnik ist Mljet, eine Insel und Naturpark mit vielen Buchten. Die Strecke beträgt 45 Meilen und dauert etwa 8-9 Stunden. Da ich jedoch so spät abgelegt habe, mache ich mir Sorgen, dass ich erst in der Dunkelheit ankomme.
Die Windvorhersage sagt NW 8-16 Knoten voraus. Die ersten 4 Stunden sind wirklich zäh. Der Wind ist zu schwach, aber später dreht er auf SW und erreicht 12 Knoten. Mit dem Vorsegel und den Wellen, die mich schieben, erreiche ich eine Geschwindigkeit von 6 Knoten.
Die Wellen rollen majestätisch an mir vorbei, und das Schiff hält sich gut. Ich fühle mich sehr wohl auf dem Wasser, wo nur der Wind und die Wellen bestimmen.
Mljet – Luka Polaće und die Konoba Calypso
Da ich erst sehr spät an Mljet heran komme, entscheide ich mich, mein Glück in der Luka Polače zu suchen. Es ist eine sehr große Bucht, eher wie ein Fjord, mit vielen Restaurants, die eigene Stege zum Anlegen haben. Es gibt auch einige Bojen und Ankerplätze am Ufer, wo man aber eine Landfeste ausbringen muss.
Sollte nichts klappen, habe mich auch auf eine mögliche Nachtfahrt nach Dubrovnik eingestellt. Im Anschluss habe bereits zwei Nächte in der Marina Frapa (Dubrovnik) reserviert.
Gegen 19:00 Uhr laufe ich in die Polače Bucht ein. Die besten Ankerplätze sind bereits von etwa 30 Schiffen belegt. Also fahre ich langsam an den Konoba-Stegen vorbei. Bei den ersten drei Restaurants reagiert niemand, aber am vorletzten Steg sehe ich zwei Männer winken. Sie winken mich tatsächlich rein. Erleichtert, dass ich nicht in die Nacht segeln muss, danke ich den Leuten und bin gegen 19:30 Uhr sicher an der Konoba Calypso fest.
Der Deal am Konoba-Steg ist, dass man keine Hafengebühr zahlt, oft Strom und Wasser erhält und sicher liegt. Dafür erwartet der Betreiber, dass man bei ihm zu Abend isst. Die Gerichte sind dann allerdings etwas teurer als gewohnt.
Der Chef ist natürlich enttäuscht, dass ich alleine an Bord bin – mit einer Charter-Crew hätte er sicherlich 300-400 Euro mehr Umsatz gemacht. Aber es ist schon spät, und ich bin der einzige Gast. Ich genieße ein leckeres Schaschlik, ein Bier und einen Wein und bin glücklich und erleichtert.
Da ich das letzte Boot am Pier bin und die Seitenwinde überraschend heftig sind, bringe ich noch beide Mittelsprings aus, um das Schiff besser zu sichern. Jetzt kann ich ruhig schlafen.




Hinterlasse einen Kommentar