Es ist Freitag, 0530 in der Olive Island Marina auf Ugljan. Es ist windstill im Hafen und doch bin ich beim Auslaufen wieder zu sehr auf den gegenüber liegenden Steg gefahren und flachen laufenden Mooring nur knapp entronnen ;-)
Die letzten Tage war ich im Hafen noch mit Vorbereitungen beschäftigt. In der Zeit haben mich die Leute am Steg in Suto wieder gut integriert. Zuletzt musste ich noch wegen eines Wasserrohrbruchs in Preko einen Tag warten, um meine Wassertanks auffüllen zu können.
Diesmal geht es nach Süden. Ich möchte Dubrovnik sehen, dort ausklarieren und dann Monte Negro besuchen. Meine erste geplante Zwischenstation ist eine Bucht auf der Insel Zirje. Bis dahin sind es 45 Meilen, ca. 8-9 Stunden.
Im Kanal von Zadar ist morgens schon viel los. Fähren die kreuzen, Pilotboote, Fischer kommen rein…
Gegen 0830 gehe ich In der Bucht von Barotol /Paśman kurz vor Anker. Ich muss mal auf die Toilette und will es nicht drauf ankommen lassen mit einem anderen Schiff zu kollidieren.
Der Anker hält nicht gleich, da er sich erst durchs Seegras arbeiten muss..das ruckt ziemlich an der Winsch. In Kroatien versucht man immer eine Stelle (ein Patch) mit Sand zu finden, damit der Anker sich schnell eingräbt.
Gegen 11:00, ich habe gerade die Südspitze von Pašman passiert, kann ich endlich die Segel setzen und den Motor aus machen. Der SW-Wind kommt langsam auf, steigert sich dann aber die nächsten 3 Stunden auf 5 Windstärken. Kurz vor meinem Ziel, der Tratinska Bucht auf Zirje, muss ich sogar ins Reff1. Die See ist inzwischen 2m.
Die Segel wegzunehmen ist bei der rauen See etwas abenteuerlich. Bei mir muss man dafür auf das Vorschiff. Aber ich besitze seit kurzem ein mob2-Rettungssender. Den trage ich in meiner Weste. Das beruhigt etwas.
In der Tratinska-Bucht ist es dann doch sehr ruhig und geschützt. Die Bojen sehen neu aus und nur ein weiteres Boot ist zu sehen.
Natürlich wende ich zum Bojenfangen unser Standard-Manöver an. Ich gehe gegen den Wind langsam rückwärts, greife mir die Boje von hinten und mache sie erst mal mit einer kurzen Leine an der Achterklampe fest. Von dort aus hole ich sie mit einer langen Leine nach vorn (siehe auch Hafenhandbuch). Für die 2. Leine, die ich in der Regel unter der Boje festmache, schwimme ich oft gern zur Boje .. und schaue sie mir mal von unten an :-) Schon „hunderte“ Male so gemacht.
Doch diesmal ist alles anders..
Der Tampen in der Schraube
Die meisten Bojen / Moorings in Kroatien bestehen aus einem schweren Betonblock am Grund und einer Leine / Kette die an einem Plastik-Ball befestigt ist. Am Ball oder direkt unterhalb des Balls, an einem Ring, kann man sein Schiff festmachen.
Die Bojen in der Tratinska sind etwas Besonderes. Unterhalb des Balls sind zwei 6 Meter Leinen befestigt die am Ende eine Kausch (Metallring) haben, durch die man jeweils eine Bugleine durchziehen kann. Damit die Leinen zu sehen sind, hat man noch an jedem Ende einen kleinen Auftriebskörper befestigt. So kann man sie vom vom Bug eines Schiffes (weit oben) mit dem Bootshaken gut greifen.
Na ja, ich bin ja allein unterwegs.. also fahre ich meinen Standard Bojen-Rückwärtsanleger. Ich bin froh, das ich die erste Leine habe und fädle schnell meine Achterleine durch. In dem Moment muss wohl die 2. Leine unters Boot gerutscht sein. Der Propeller zieht sie sich rein und schwubs geht der Motor aus. Es ist 1400 und ich habe nen Tampen in der Schraube. Am ersten Segeltag auf einer Insel, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Ich könnte heulen..
Warum ist das passiert?
Will man eine Boje rückwärts fangen, macht man das fast immer gegen den Wind. Schiffe stehen da sehr stabil. In dem Moment, wo ich den Steuerstand verlasse, um die Boje aufzunehmen, musste ich mich entscheiden.. Lasse ich den Rückwärtsgang drin oder reicht die Restfahrt im Leerlauf, um die Boje gegen den Wind zu erreichen. Da es sehr windig war, habe den Gang drin gelassen. So habe ich die Boje erreicht und mir aber auch die zweite Leine in der Schraube gezogen.
Ich unternehme im Anschluss gut 20 Tauchversuche um die Schraube von der Leine zu befreien. Nichts hilft, durch den Wind ist soviel Zug auf der Leine, dass sich nichts bewegen lässt. Ich kriege die Leine nicht raus und sie läuft so seltsam das das Gewicht des Schiffes die Leine auf das Ruder drückt. Hoffentlich passiert da nichts.
Ich bin durch das Tauchen total erschöpft und will schon aufgeben. Da kommt mir noch die Idee zwei lange Manöverleinen vom Bug des Schiffes zu einer benachbarten Boje zu schwimmen. Ich will das Boot so sichern und auch eine Art Zugentlastung am Propeller erreichen und die Leine besser ab zubekommen. Leider komme ich damit auch nicht frei.
Ich muss Hilfe rufen.
SeaHelp (ich bin dort Mitglied) sagt sie dürfen in einem Konzessionsgebiet nicht eingreifen. Könnten mich höchstens abschleppen, wenn ich frei bin und der Motor nicht starten sollte. Den Bojenbetreiber erreiche ich erst am Abend. Die Nummer bekomme ich von Besitzer der Konoba als SMS zugeschickt. Der versucht mich auch zu beruhigen.
Gegen 1800 meldet sich der Betreiber des Bojenfeldes. Boris spricht fließend deutsch und wirkt recht entspannt. Er sagt, ich soll auf keinem Fall selbst an der Leine herum schneiden. Ganz ehrlich..ich hatte schon drüber nachgedacht ;-). Aber so eine Leine zu ersetzen ist teuer und noch gibt es die Chance sie aus Welle und Schraube wieder raus zu drehen. Später kommt Boris, ein smarter Typ mit vielen Ideen, mit seinem Boot. Der Taucher kann leider erst am morgen. Er verspricht gegen 0800 mit dem Taucher wieder da zu sein.
Ich muss mich also gedulden. Jetzt gibt es doch ein Anlegerbier zu Beruhigung und ein paar Spaghetti.




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