04. Juli, Von Mljet nach Dubrovnik: Segelwind und Stadtflair
Ich starte gegen 07:00 Uhr. Heute will ich endlich Dubrovnik erreichen. Bis dahin sind es noch ca. 35 Meilen.
Beim Ablegen muss ich wegen des Seitenwinds kräftig in die Steuerbord-Achterleine eindampfen, um zu verhindern, dass ich an der schönen alten englischen Yacht, die links von mir liegt, vorbei schramme. Der alte Seebär beobachtet mein Manöver heimlich aus dem Niedergang. „Schlaf weiter, alter Seebär, ich habe es im Griff“, denke ich mir.
Ich verlasse die Bucht durch die östliche Einfahrt und genieße die Ruhe und friedliche Stimmung. Unter mir tuckert der Joggel.
An der Ausfahrt begrüßt mich ein herrlicher Segelwind aus N/NW, der mich hoffen lässt, nach Dubrovnik segeln zu können. Ich setze alles, was ich habe, und habe 10 Minuten lang meinen Spaß. Dann lässt der Wind plötzlich nach, und die nächsten 30 Meilen geht es nur noch unter Motor voran.
Gegen 13:30 Uhr komme ich Dubrovnik näher. Ich sehe die Brücke und die riesigen Urlaubsdampfer. Gerade hat „Mein Schiff 5“ festgemacht. Alles um mich herum wirkt quirlig und international.
Ich erreiche die Marina Frapa gegen 14:00 Uhr und werde wieder in die „letzte“ Ecke gelegt. Ich komme einfach immer zu früh an. Die Marineros sind Profis und versuchen, die Schiffe vor dem heftigen Schwell (Wellengang) zu schützen. Die Schiffe ächzen und knarzen in ihren Leinen. Die Poolbar nebenan spielt laute Musik, und die Stege sind für normale Yachten sehr hoch. Aber hey, ich bin in Dubrovnik angekommen.
Am Abend gehe ich die wenigen Kilometer in die Stadt. Es sind viele Menschen unterwegs. Ich laufe am Hochufer entlang zur Innenstadt, bewundere die alten Häuser und sehe das Fort Lovrinjac. Ich gehe hinunter zur Pile Bucht und kann sogar 1-2 Szenen aus „Game of Thrones“ erkennen, die hier gedreht wurden. Natürlich will ich auch den alten Hafen von Dubrovnik besuchen.
Selbst mit den vielen Menschen ist die Stadt wunderschön und hat eine bewegte Geschichte. Als unabhängige Seerepublik von Ragusa wurde sie von Napoleon aufgelöst und im Jugoslawien-Krieg 1991 belagert. Hier gibt es viel zu entdecken.
Am alten Hafen, der am Abend wirklich magisch ist, gehe ich in ein Fischrestaurant essen und laufe später entspannt zurück zur Frapa. Es ist herrlich, wieder zu Fuß unterwegs zu sein.
05. Juli, Dubrovnik, Marina Frapa: Eine unerwartete Nachricht
Ich schlafe etwas aus und mache mir gerade einen Kaffee und ein Brötchen, als meine Tochter Anna anruft. Meine Mutter ist heute Morgen um 08:23 Uhr gestorben. Wir wissen beide nicht, was wir sagen sollen. Wir wussten, dass es nicht mehr lange dauern würde und haben uns bei jedem Besuch schon besonders verabschiedet. Aber wenn es dann so weit ist, der Mensch unerreichbar und für immer gegangen ist, ist das schwer zu fassen. Anna macht sich Sorgen, dass ich mit dieser Nachricht jetzt allein bin.
Wir konzentrieren uns darauf, was jetzt zu tun ist. Ich kümmere mich um das Bestattungshaus und das Seniorenheim, während Anna sich noch von meiner Mutter verabschieden und morgen ihre persönlichen Sachen abholen wird. Auch Erik, mein Sohn, wird es persönlich erfahren.
Ich beschließe, von hier aus den Rückweg anzutreten. Wir werden eine schöne Bestattung machen, wenn ich zu Hause angekommen bin. Ich möchte mir jedoch noch etwas Zeit lassen, bevor ich abreise.
06. Juli, Dubrovnik, Marina Frapa: Begegnungen und Erinnerungen
Gestern habe ich neue Nachbarn bekommen: Tom und Christiane aus meinem alten Hafen in Punta Gabbiani, Italien. Es ist schön, sie wiederzutreffen, und es lenkt mich auch etwas ab. Wir trinken ein paar Bier zusammen, und mit ihren 2 x 20-Liter-Kanistern und dem Handwagen der Marina kann ich 40 Liter Superdiesel tanken, da die Seetankstelle der Marina geschlossen ist.
Später informiere ich die wenigen Bekannten und Freunde über den Tod meiner Mutter. Am Abend, wenn es kühler wird, fahre ich noch einmal in die Stadt, zünde eine Kerze für meine Mutter an, schlendere durch die Altstadt und laufe zur Mole des alten Hafens. Diese Ablenkungen tun mir gut.




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